Systemarchitektur · Lernberatung mit Agenten

Trialog-Lernagent: drei KI-Agenten für das Lerncoaching

Lernender · Lerncoach · KI-Lernagent. Eine RAG-gestützte Architektur aus drei kooperierenden Agenten, die ein Lerncoaching-Gespräch vorbereiten und begleiten — mit klaren Kommunikationswegen, definierten Schnittstellen und einer Umsetzung in n8n.

n8n · Self-hosted RAG / Vektor-DB Portfolio: OneNote · GitHub · Obsidian Bloom × A1–C2 Cynefin DSGVO-orientiert

Getroffene Annahmen (bitte prüfen)

  • Lernportfolio liegt in OneNote, GitHub oder Obsidian — also notiz-, markdown- bzw. code-basiert, keine klassische ePortfolio-Software. Agent 1 bindet alle drei als Quellen an.
  • LLM & RAG sind als DSGVO-freundliche, selbst hostbare Variante (EU) entworfen, das Sprachmodell ist jedoch austauschbar (lokal via Ollama/vLLM oder EU-Cloud-API).
  • Diese Seite beschreibt Schritt 1: Struktur, Kommunikationswege und Schnittstellen. Die konkreten n8n-Templates folgen als Schritt 2 (Abschnitt 07).
01

Systemkontext — der Trialog

Im Zentrum steht ein Lerncoaching-Dialog: Der Lernende reflektiert seinen Lernstand, der Lerncoach begleitet und moderiert, und der KI-Lernagent liefert die faktische Grundlage und die passenden sprachlichen Impulse. Der Coach behält die Gesprächsführung — die KI ist Zuarbeiter und Sparringspartner, nicht Ersatz.

Lernende·r Lernprodukte · Lernfeedback Lerncoach moderiert · verantwortet Dialog KI-Lernagent 3 kooperierende Agenten + RAG-Wissensbasis Orchestrierung in n8n Lerncoaching-Dialog gemeinsame Beratung liefert Daten steuert Impulse Begleitung
Der Trialog. Durchgezogene grüne Kanten sind der eigentliche Beratungsfluss; gestrichelte Kanten zeigen, wie Lernende·r und Coach den KI-Agenten füttern bzw. steuern. Die KI erzeugt nie autonom Beratung, sondern Vorschläge, die im moderierten Dialog wirksam werden.
02

Die drei Agenten

Jeder Agent hat eine klar abgegrenzte Aufgabe, eigene RAG-Quellen und ein definiertes Ausgabeformat (JSON). Sie arbeiten sequenziell auf einem geteilten Lernenden-Kontext: Agent 1 liefert das fachliche Kompetenzprofil, Agent 2 das Lernstrategie-Profil, Agent 3 nutzt beide für den Dialog.

Agent 1

Kompetenz-Analyse

Analysiert die Lernprodukte im ePortfolio und gleicht die erworbenen fachlichen Kompetenzen auf technologischer Ebene gegen die Kompetenzraster ab (Ist-Soll).

InLernprodukte (OneNote/GitHub/Obsidian)
OutKompetenzprofil je Lernfeld: Nachweis, erreichte Stufe, Lücken

RAG: Rahmenlehrpläne, Ausbildungsplan, KMK, BIBB, fachl. Kompetenzraster

Agent 2

Lernstrategie-Analyse

Vergleicht das Lernfeedback des Lernenden mit möglichen Lernstrategien und verortet es im Lernkompetenzraster (Selbstregulation, Metakognition).

InLernfeedback + Kompetenzprofil aus Agent 1
OutStrategieprofil: genutzte vs. empfohlene Lernstrategien, Selbstregulationsgrad

RAG: Lernkompetenzraster, Lernstrategien-Katalog, Lerncoaching-Unterlagen

Agent 3

Coaching-Dialog

Führt den dialogischen Coaching-Teil — mit Ressourcenwörtern und Begriffen der Stufe A1–C2 nach Bloom, um Selbstorganisation und intrinsische Motivation zu stärken.

InProfile aus Agent 1 & 2 + Gesprächsverlauf
OutCoaching-Fragen, Reflexionsimpulse, Lernvereinbarung

RAG: Ressourcenwörter, Bloom-Verben je Stufe, Coaching-Methodik, Cynefin

Warum diese Reihenfolge?

Agent 3 kann nur sinnvoll coachen, wenn Fakten (wo steht der Lernende fachlich?) und Metaebene (wie lernt er?) bereits geklärt sind. Deshalb baut der Kontext von „technologischer Kompetenz" über „Lernstrategie" zum „Dialog" auf. Die Profile aus 1 & 2 sind zugleich das, was der Coach vor dem Gespräch als Briefing sieht.

03

Kommunikationswege & Orchestrierung

Die Agenten kommunizieren nicht frei miteinander, sondern über einen Orchestrator und einen geteilten Lernenden-Kontext (Blackboard-Muster). Jeder Agent liest den bisherigen Kontext, schreibt sein Ergebnis als strukturiertes JSON zurück und übergibt an den nächsten. Das macht die Kette nachvollziehbar, protokollierbar (DSGVO) und in n8n als Sub-Workflows abbildbar.

Lernportfolio OneNote · GitHub Obsidian + Lernfeedback Ingestion / Embedding Vektor-DB Qdrant / pgvector Orchestrator (n8n Master-Workflow) Agent 1 Kompetenz- analyse → kompetenzprofil Agent 2 Lernstrategie- analyse → strategieprofil Agent 3 Coaching- Dialog → dialog + plan Geteilter Lernenden-Kontext (session_context · PostgreSQL) jeder Agent liest & schreibt strukturiertes JSON — vollständiges Protokoll Coach + Lernende·r Chat-Frontend (Human-in-the-loop) RAG-Retrieval
Kommunikationsfluss. Grüne Pfeile = Agentenkette (JSON-Übergabe). Graue gestrichelte Pfeile = Lesen/Schreiben des geteilten Kontexts. Teal gestrichelt = RAG-Retrieval aus der Vektor-DB. Amber = Human-in-the-loop mit Coach und Lernendem. Der Orchestrator startet die Agenten und wacht über Reihenfolge und Fehlerbehandlung.

Nachrichten-Kontrakt. Damit die Agenten entkoppelt bleiben, tauschen sie ein festes JSON-Schema aus. So sieht der geteilte Kontext nach Agent 1 & 2 aus — Agent 3 erhält genau dieses Objekt als Eingang:

// session_context — geteilter Lernenden-Kontext
{
  "session_id": "2026-09-07-lernende-4711",
  "lernende_pseudonym": "LN-4711",      // keine Klarnamen im LLM-Kontext
  "quelle": { "typ": "github", "repo": "portfolio-ln4711" },
  "agent1_kompetenzprofil": [
    { "lernfeld": "LF6 Serviceanfragen", "soll_stufe": "B2",
      "ist_stufe": "B1", "nachweis": ["ticket-doku.md"], "luecke": "Analyse fehlt" }
  ],
  "agent2_strategieprofil": {
    "genutzte_strategien": ["Wiederholen", "Markieren"],
    "empfohlene_strategien": ["Elaboration", "Selbstbefragung"],
    "selbstregulation": "emergent"
  },
  "agent3_dialog": { "status": "laufend", "lernvereinbarung": null }
}
04

Kompetenzstufen A1–C2 × Bloom × Ressourcenwörter

Der Kern von Agent 3 ist eine Stufenlogik: Die sechs Stufen A1–C2 werden auf die sechs kognitiven Ebenen der Bloomschen Taxonomie abgebildet. Agent 3 bestimmt aus dem Kompetenzprofil die aktuelle Stufe und wählt Ressourcenwörter und Operatoren der nächsthöheren Stufe, um den Lernenden dorthin zu ziehen (Zone der nächsten Entwicklung). Das ist zugleich die Retrieval-Logik für die RAG-Sammlung „Ressourcenwörter".

StufeBloom-EbeneCoaching-FokusRessourcenwörter / Operatoren
A1ErinnernSicherheit, Wiedererkennennennen, benennen, aufzählen, wiedergeben
A2VerstehenZusammenhänge in eigenen Wortenerklären, zusammenfassen, einordnen, beschreiben
B1AnwendenÜbertragen auf neue Fälleanwenden, durchführen, umsetzen, lösen
B2AnalysierenZerlegen, Ursachen erkennenanalysieren, vergleichen, unterscheiden, prüfen
C1BewertenBegründetes Urteil, Kriterienbewerten, begründen, beurteilen, empfehlen
C2ErschaffenEigenständig Neues gestaltenentwickeln, entwerfen, konzipieren, gestalten

Cynefin als Situations-Kompass

Bevor Agent 3 einen Impuls wählt, verortet er das Anliegen des Lernenden im Cynefin-Framework: klar/einfach → Best-Practice benennen (A1–B1); kompliziert → analysieren lassen, Experten-Operatoren (B2–C1); komplex → explorativ, ressourcen- und motivationsorientiert fragen (C1–C2, Selbstorganisation); chaotisch → zuerst stabilisieren, kleinschrittig. So passt die sprachliche Ebene nicht nur zur Kompetenzstufe, sondern auch zur Art des Problems.

05

RAG-Wissensbasis

Die Wissensbasis ist in getrennte Sammlungen (Collections/Namespaces) in der Vektor-DB aufgeteilt. So kann jeder Agent gezielt nur seine relevanten Quellen abrufen (Retrieval-Filter), statt in einem großen Index zu suchen — das erhöht Präzision und erleichtert Aktualisierung und DSGVO-Löschung pro Sammlung.

SammlungInhaltgenutzt vonAktualisierung
curriculumRahmenlehrpläne, Ausbildungsplan, KMK-Vorgaben, BIBB-EmpfehlungenAgent 1selten (pro Ausbildungsjahr)
kompetenzraster_fachFachliche/technologische Kompetenzraster je LernfeldAgent 1selten
lernkompetenzrasterLernkompetenzraster, Lernstrategien-Katalog, SelbstregulationsmodelleAgent 2selten
coaching_methodikLerncoaching-Unterlagen, systemische FragetechnikenAgent 2, 3gelegentlich
ressourcenwoerterRessourcenwörter & Bloom-Operatoren je Stufe A1–C2, CynefinAgent 3gelegentlich
lernprodukte_<LN>Lernprodukte & Lernfeedback des einzelnen Lernenden (pseudonymisiert)Agent 1, 2laufend / pro Session

Die ersten fünf Sammlungen sind gemeinsames, stabiles Wissen; nur lernprodukte_<LN> ist personenbezogen und wird pro Lernendem angelegt, aktualisiert und bei Bedarf gelöscht.

06

Schnittstellen zu anderen Systemen

Alle drei Portfolio-Quellen laufen letztlich auf Text/Markdown-Dokumente hinaus — das vereinfacht die Ingestion. Für jede Quelle gibt es in n8n einen nativen Node oder einen HTTP-Zugang.

OneNote

Zugriff über Microsoft Graph API (OAuth2). Notizbücher → Abschnitte → Seiten werden als HTML/Text gelesen.

n8n: Microsoft OneNote Node · alt. HTTP Request auf Graph

GitHub

Repository mit Markdown-Lernprodukten. Push löst optional automatische Neu-Indexierung aus.

n8n: GitHub Node + GitHub Trigger (Webhook auf push)

Obsidian

Vault = Markdown-Dateien. Drei Wege: Git-Sync (→ wie GitHub), Local REST API-Plugin, oder Datei-/Ordnerfreigabe.

n8n: HTTP Request (Local REST API) · Read Files

Coach- & Lernenden-Frontend

Chat-Oberfläche für den Dialog mit Agent 3. Coach sieht Profile als Briefing, greift ein, gibt frei.

n8n: Chat Trigger / Webhook + Respond to Webhook

Vektor-DB

Speicher der RAG-Sammlungen & Embeddings. EU / self-hosted.

n8n: Qdrant Vector Store / PGVector Node

LLM & Embeddings

Austauschbar: lokal (Ollama/vLLM) oder EU-Cloud-API. Getrennt für Chat und Embeddings.

n8n: Ollama Chat Model / OpenAI-kompat. · Embeddings

Kontext- & Protokoll-DB

Geteilter Lernenden-Kontext, Session-Verlauf, Audit-Log.

n8n: Postgres Node

Dokumentations-Rückschreiben

Lernvereinbarung/Zusammenfassung zurück ins Portfolio (optional) oder als PDF-Export.

n8n: GitHub / OneNote / HTML→PDF

07

Umsetzung in n8n

Die Architektur wird auf fünf Workflows abgebildet: eine Ingestion-Pipeline, drei Agenten als eigenständige Sub-Workflows und ein Orchestrator, der sie über Execute Workflow aufruft. Jeder Agent nutzt den AI-Agent-Node (LangChain) mit einem Vector-Store-Retriever als Werkzeug — das ist genau die RAG-Anbindung.

WF-0

Ingestion & Indexierung

Liest Portfolio-Quellen und Wissensdokumente, zerteilt sie (Chunking), erzeugt Embeddings und schreibt sie in die passenden Sammlungen. Läuft geplant und/oder per Portfolio-Webhook.

Schedule/Webhook TriggerGitHub / OneNote / HTTPDefault Data LoaderText SplitterEmbeddingsQdrant Vector Store (insert)
WF-1

Agent 1 — Kompetenz-Analyse

Erhält Session-Daten, ruft Lernprodukte + Curriculum/Kompetenzraster via Retriever ab, erzeugt das Kompetenzprofil als JSON und schreibt es in session_context.

Execute Workflow TriggerAI AgentChat ModelVector Store Retriever (Tool)Structured Output ParserPostgres (update)
WF-2

Agent 2 — Lernstrategie-Analyse

Liest Lernfeedback + Kompetenzprofil, gleicht gegen Lernkompetenzraster/Strategien ab, schreibt Strategieprofil zurück.

Execute Workflow TriggerAI AgentChat ModelRetriever: lernkompetenzrasterStructured Output ParserPostgres (update)
WF-3

Agent 3 — Coaching-Dialog

Interaktiv: hält Gesprächsspeicher, bestimmt Stufe A1–C2, wählt Ressourcenwörter, formuliert Impulse. Human-in-the-loop: Coach gibt Fragen frei / greift ein.

Chat TriggerAI AgentChat ModelPostgres Chat MemoryRetriever: ressourcenwoerterIf / Human approvalRespond to Webhook
WF-4

Orchestrator (Master)

Startet eine Beratungs-Session: legt Kontext an, ruft WF-1 → WF-2 sequenziell auf, übergibt an WF-3 und behandelt Fehler/Wiederholungen. Einstiegspunkt für Coach.

Webhook TriggerPostgres (create session)Execute Workflow ×2MergeExecute Workflow (WF-3)Error Trigger
WF-4 Orchestrator WF-1 · Agent 1 WF-2 · Agent 2 WF-3 · Agent 3 interaktiv Coach + Lernende·r execute execute handoff chat
Workflow-Kette. WF-1 und WF-2 laufen einmalig zur Vorbereitung (Batch); WF-3 ist der dauerhafte, dialogische Teil. Alle teilen sich session_context in Postgres.

DSGVO & Betrieb — von Anfang an mitdenken

  • Pseudonymisierung: Klarnamen bleiben in Postgres; an LLM/Vektor-DB gehen nur Pseudonyme (z. B. LN-4711).
  • Datenhoheit: LLM & Vektor-DB self-hosted in der EU; personenbezogene Lernprodukte nicht in Nicht-EU-Cloud-Modelle geben. Cloud-LLM nur mit AVV und EU-Region.
  • Einwilligung & Löschung: pro Lernendem dokumentierte Einwilligung; Sammlung lernprodukte_<LN> und Kontext gezielt löschbar.
  • Coach als Kontrollinstanz: keine automatisierten Bewertungsentscheidungen — Agent 3 schlägt vor, der Coach verantwortet.
  • Protokoll: jeder Agentenschritt wird in session_context nachvollziehbar geloggt.
08

Nächster Schritt: die n8n-Templates

Auf dieser Struktur aufbauend entstehen im zweiten Schritt die konkreten, importierbaren n8n-Workflow-Dateien (JSON). Vorgeschlagene Reihenfolge:

  1. WF-0 Ingestion zuerst — ohne indexierte Wissensbasis können die Agenten nichts abrufen. Startpunkt: eine Quelle (z. B. GitHub) + Qdrant.
  2. WF-1 Agent 1 als Referenz-Agent mit AI-Agent-Node, Retriever-Tool und Structured-Output-Parser — daran orientieren sich WF-2 und WF-3.
  3. WF-2 Agent 2 als Variante von WF-1 mit anderer Sammlung und anderem System-Prompt.
  4. WF-3 Agent 3 mit Chat-Trigger, Gesprächsspeicher und Human-in-the-loop-Freigabe.
  5. WF-4 Orchestrator zuletzt, wenn die Einzelteile laufen.

Für die Templates hilfreich zu wissen

Damit die Templates direkt zur Umgebung passen, wären drei Angaben nützlich: welche eine Portfolio-Quelle zuerst angebunden wird (OneNote, GitHub oder Obsidian), welches LLM/Embedding-Modell zur Verfügung steht (z. B. Ollama mit einem bestimmten Modell), und ob Qdrant oder PGVector als Vektor-DB laufen soll. Fehlt etwas, entstehen die Templates mit sinnvollen Platzhaltern, die in n8n nur noch mit Credentials gefüllt werden.